Ein Überblick über die Forschung zu einigen grundlegenden Fragen der Homöopathie an der Universität von Kalyani

Übersicht, Forschungsstand

Ein Überblick über die Forschung zu einigen grundlegenden Fragen der Homöopathie an der Universität von Kalyani

Im Indian Journal of Research in Homeopathy hat Anisur Rahman Khuda-Bukhsh einen Artikel publiziert, der einen guten Überblick über die Forschungstätigkeiten an der Universität von Kalyani, Indien, gibt.

Die Fragen, die sich Khuda-Bukhsh in seiner Forschungstätigkeit hauptsächlich stellt, sind a) wie wird die arzneiliche Eigenschaft des homöopathischen Mittels auf das Vehikel übertragen und von diesem aufgenommen b) wie kann eine hochgradig verdünnte Arznei ohne ursprüngliche Arzneimittelsubstanz in einem biologischen System wirken und c) die bis anhin fehlende wissenschaftliche Erklärung des biologischen Wirkungsmechanismus‘.

Eine durchgeführte Untersuchung von Khuda-Bukhsh war die Behandlung von Mäusen, die man einer Röntgenbestrahlung ausgesetzt hatte. Die Röntgenbestrahlung führte dazu, dass messbare Schäden an Chromosomen entstanden. Khuda-Bukhsh und sein Team wollten herausfinden, ob diese Schäden durch die Gabe von homöopathischen Mittel reversibel sind. Ihr Mittel der Wahl war Arnica. Die Mäuse wurden durch die Röntgenstrahlen gentoxisch, cytogenetisch und enzymatisch geschädigt. Danach wurden sie mit Arnica C30 behandelt und man stellte fest, dass die mit Arnica behandelten Mäuse weniger Chromosomenschäden aufwiesen als die in der Kontrollgruppe, welche mit Placebo behandelt wurden. Man stellte ausserdem fest, dass Arnika, vor der Röntgenbestrahlung, einen schützenden Effekt hat. Den besten Schutz, bzw. die wenigsten Schäden fanden sich bei Mäusen, die vor und nach der Röntgenstrahlung mit Arnika C30 behandelt wurden. In seinem Artikel geht Khuda-Bukhsh nicht weiter darauf ein, wie oft Arnika verabreicht wurde. Auch mit Mitteln wie Hypericum, Ruta, X-Ray und Ginseng (alle in der Potenz C30) konnten vergleichbare schützende Effekte bei den röntgenbestrahlten Mäusen beobachtet werden.

Des Weiteren führten Khuda-Bukhsh und sein Team Untersuchungen durch, in wie weit bei einer Vergiftung die Mäuse mit dem entsprechenden homöopathischen potenzierten Gift wieder genesen können. Eigentlich handelt es sich hier um Isopathie, trotzdem sind die Ergebnisse vielversprechend. Die unter einer Arsenvergiftung entstandenen Symptome wurden bei Mäusen mit Arsen C30 behandelt und man stellte fest, dass die Parameter der Toxizität positiv moduliert werden konnten, d.h. die Symptome wurden gemildert. In einem Pilotprojekt wurden 200 Menschen, die in einem arsenverseuchten Grundwasser-Gebiet wohnen, mit Arsen C30 und Arsen C200 behandelt. Man stellte eine deutliche Verbesserung der Symptome fest. Ausserdem war im Labor eine Verbesserung des Biomarkers für die Arsenvergiftung feststellt worden. Die Proben dafür wurden den Menschen aus Urin und Blut entnommen. Ebenfalls zeigten sich positive Auswirkungen auf die antinukleärern Antikörpersowie auf hämatologische Parameter. Khuda-Bukhsh widmet sich dieser Untersuchung in seinem Artikel ausführlich und wer gerne mehr Details dazu hätte, sei auf den Originaltext verwiesen.

In einem kurzen Abschnitt erläutert der Autor die Untersuchungen mit Thalassämie-Patienten, die homöopathisch behandelt wurden. Leider sind im Text nur wenig bis keine Details aufgeführt, wie die Studie durchgeführt worden ist. Schade, trotzdem interessant, dass auch Thalassämie-Patienten hämatologisch erfolgreich homöopathisch behandelt werden können.1, 2

Ein weiterer Abschnitt des Artikels beleuchtet den Einfluss von homöopathischen Mitteln im Nanopartikelbereich auf Krebs. In Studien wurde ein Antikrebs-Effekt bei Mäusen festgestellt: Der Prozess der Karzinogese umfasst metabolische Veränderungen, die von bestimmten Genen kontrolliert werden. Ist diese Regulation gestört, führt dies zur Transformation von Zellen. Die meisten dieser Zellen haben die Eigenschaft, das Signal zur Selbstzerstörung (Apoptosis) auszublenden und zu ignorieren. Das Antikrebs-Potential liegt darin, diese wuchernden Zellen zu zerstören, entweder durch ein Signal zur Apoptosis oder durch Nekrose. Es zeigte sich, dass Nanopartikel von homöopathischen Mittel die Fähigkeit besitzen, dieses Signal in den Zellen auszulösen – im Gegensatz zur Urtinkuren .3 Die Schlussfolgerung daraus ist, dass höher potenzierte Mittel einen stärkeren Effekt haben. Die Nanopartikel können mit den DNA produzierenden konformativen Veränderungen, die für eine epigenetische Modifikation notwendig sind, wechselwirken.

Epigenetische Veränderungen sind das Kennzeichen von Krebsgeschehen. Es hat sich bei verschiedenen Untersuchungen gezeigt, dass homöopathische Mittel epigenetische Modifikationen in Krebszellen (in vivo und in vitro) modulieren können. Khuda-Bukhsh geht leider nicht detailliert darauf ein, wie seine Studien und Untersuchungen durchgeführt wurden. 4, 5, 6

Zusammenfassend hält Khuda-Bukhsh fest, dass verschiedene Experimente ergeben haben, dass potenzierte Homöopathika in multidirektionale Weise auf den Organismus einwirken können. Dies hauptsächlich bei der Auslösung von Kaskaden bei Geneaktivitäten. Wie dies aber detailliert aussieht, ist nach wie vor nicht klar und bedarf weiterer Forschung. Weitere Studien wären angezeigt, um mehr über die Aktivität von Nanopartikeln herauszufinden und welche Schlüsselrolle sie bei der Weitergabe von Informationen haben. Auf der Grundlage aller zur Zeit bekannten Tatsachen, lässt sich schlussfolgern, dass die genregulative Hypothese eine logische Erklärung für die molekularen Mechanismen sind, die in einem biologischen System ablaufen, und zwar bei Menschen, Tieren und Pflanzen. Offenbar werden hier epigenetische Modifikationen ausgelöst durch die Methylierung / Demethylierung von DNA. Es sieht so aus, als ob homöopathische Mittel das Signal zur Umkehrung des Krankheitsprozesses geben.

Wissenschaftsgruppe

 

Literatur

An Overview of research at University of Kalyani in exploring some basic issues of Homeopathy, Anisur Rahman Khuda-Bukhsh, Department of Zoology, University of Kalyani, West Bengal, India, Indian Journal of Research in Homeopathy, Volume 11, Issue 3, July-September 2017

a Der Begriff antinukleärer Antikörper (ANA) steht für die Gesamtheit aller Autoantikörper gegen Antigene im Zellkern

1 Banerjee A, Chakrabarty SB, Karmakar SR, Chakrabarty A, Biswas SJ, Haque S, et al. Can homeopathy bring additional benefits to thalassemic patients on hydroxyurea herapy? Encouraging results of a preliminary study. Evid Based Complement Alternat Med 2010; 7:129-36

2 Banerjee A, Roy Karmakar S, Paul S, Houque S, Das S, Khuda-Bukhsh AR. Efficacy of some homeopathic drugs in modulating different blood parameters in thalassemic patients: A sort-term study. Clinical and Experimental Homeopathy. 2010: 2:1:1-10

3 Khuda-Bukhsh AR, Bhattacharyya SS, Paul D, Dutta S, Boujedaini N, Belon P, et al. Modulation of signal proteins: A plausible mechanism to explain how a potentized drug secale cor 30C diluted beyond Avogadro’s limit combats skin papilloma in mice. Evid Based Complement Alternat Med 2011; 2011: 286320

4 Bishayee K, Sikdar S, Khuda-Bukhsh AR. Ultra-highly dilued gonolobus condurango extract inhibits histone de-Acetylase2 activity in cervix cancer cells in vitro: Evidence of epigenetic modification in cell cyle arrest. J. Pharmacopunctue 2013; 16:7-13

5 Sikdar S, Kud-Bukhsh AR. Condurango 30C induces epigenetic modification of lung cancer specific tumour suppressor genes via demethylation. Forsch. Komplementärmed/Res Complement Med 2015; 22:172-9

6 Saha SK, Roy S, Khuda-Bukhsh AR. Ultra-highly diluted plant extracts of Hydrastis Canadensis and Marsdenia condurango induce epigenetic modifications and alter gene expression profiles in HeLa cells in vitro. J Integr Med 2015; 13:400-11

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