Entwicklung in der Forschung von Hochpotenzen (Khuda-Bukhsh – 2014)

Übersicht, Forschungsstand
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Die momentane Entwicklung in der Forschung von homöopathischen Hochpotenzen und die Hypothese, dass Hochpotenzen einen genregulatorischen Effekt haben

Im April 2014 publizierte Anisur Rahman Khuda-Bukhsh einen spannenden Artikel 1) über die aktuellen Trends in der Forschung zu Hochpotenzen. Die Resultate der Experimente zeigen auf, dass homöopathische Hochpotenzen möglicherweise einen gen-regulatorischen Effekt haben.

Khuda-Bushsh ist der Ansicht, dass die Behandlung mit Urtinkturen und Tiefpotenzen von Rationalisten oft nicht mit der gleichen Vehemenz in Zweifel gezogen wird, wie eine Behandlung mit Hochpotenzen. Hochpotenzen seien in den Augen der Kritiker eine Placebotherapie oder hätten gar lediglich einen psychosomatischen Effekt.

Daraus leitet der Autor drei für ihn wichtige Fragen ab: 1) ist es möglich, die heilsamen Eigenschaften durch Potenzierung auf das Wasser-Ethanol Gemisch zu übertragen 2) wie können diese hochpotenzierten Mittel physiologische Veränderungen bei Patienten hervorrufen 3) welches ist der genaue Mechanismus, der dahinter steckt.

Diese drei Fragen tangieren drei verschiedene Forschungsbereiche: a) Physik b) Physiologie/Molekulare Biologie c) Psychologie/medizinische Wissenschaft.

Das momentane Wissen über Effekte der Hochpotenzen und ihre physikalisch-chemischen Aspekte

Es gilt also zu klären, wie die medizinischen bzw. heilsamen Eigenschaften der Ursubstanz auf den Trägerstoff kommen (Alkohol/Wasser). Die Hypothese des „Gedächtnis“ von Wasser ist dabei zurzeit diejenige, die am offenkundigsten ist. Wasser hat die Eigenschaft, Informationen von Substanzen zu speichern, mit denen es in Kontakt war. Diese gespeicherten Informationen können in physikalischer Form von Wasser an andere biologischen Systeme weitergegeben werden. Das „Gedächtnis“ von Wasser wurde von Chaplin und Bellavite et al. 2  kritisch analysiert. Interessant ist, dass auch Alkohol Verbindungen (Cluster) mit Wasser eingeht. Andersson et al. und Markovic et al. 3 haben diesbezüglich Studien durchgeführt und sind zum Schluss gekommen, dass Clustermischungen (von Wasser und Alkohol) verschiedene isomere Formen bilden können. Jedes dieser verschiedenen Isomere a  enthält unterschiedliche Informationen. So ist es möglich, dass Millionen von unterschiedlichen Informations-Teilchen produziert werden, die biologisch aktiv sein können Obwohl die konventionelle Struktur von Wasser offenbar geklärt ist, rätselt man nach wie vor über bestimmte spezifische Eigenschaften von Wasser, die wissenschaftlich noch nicht ausreichend erforscht und Gegenstand von Forschungsarbeiten sind.

Wenn Moleküle in Wasser gelöst werden, ändert sich die Struktur des Wassers. Um diese Strukturen zu verstehen, wurden thermodynamische Messungen oder Untersuchungen mit Hilfe der Raman Spektroskopie durchgeführt b. Ein weiterer Ansatz war die Untersuchung von magnetischen Feldern. Umfassende Forschung zeigte, dass Zellen in der Lage sind, schwache elektrische und magnetische Felder zu erkennen. Benveniste et al. 4 gehen davon aus, dass biologische Informationen in der Lage sind, zelluläres Verhalten zu beeinflussen. Sie gehen davon aus, dass eine bisher unbekannte elektromagnetische Beschaffenheit eines molekularen Signals gespeichert und durch das Wasser weitergeleitet werden kann.

Die allgemeinen Resultate der biophysikalischen Forschungen zeigen, dass die potenzierte homöopathische Mittel eine wichtige Rolle zur Erkenntnis von Wasserstrukturen haben können und sie unterstreichen die Tatsache, dass Hochpotenzen noch immer „Etwas“ der Ursubstanz enthalten.

Aktuelle Auffassung des biologischen Vorganges

Wie können solche Mikrodosen von Hochpotenten relevante biologische Vorgänge für einen Genesungsprozess einleiten? Eine Unzahl von Hypothesen sind hierfür aufgrund von Experimenten schon vorgeschlagen worden. Der zur Zeit am meist diskutierte Mechanismus ist die „Hormesis“ c. Obwohl die Hormesis – vor allem bei denjenigen, die mit Tiefpotenzen arbeiten – die am meisten bevorzugte Erklärung zu sein scheint, ist es schwierig, die Hormesis als Grundlage für die Wirksamkeit von Hochpotenzen heranzuziehen.

Die Hypothese der Gen-Regulation

Khuda-Bukhsh 5 schlug bereits in den 90-er Jahren die Hypothese der Gen-Regulation vor. Er war der Ansicht, dass dies die einzige Erklärung sei, warum homöopathische Mittel in allen lebenden Organismen wirke.

Homöopathische Mittel tragen spezifische „Signale“, welche durch spezielle Rezeptoren erkannt werden und so Gene aktivieren oder deaktivieren können. Dieser Prozess löst eine Kaskade von Genaktivitäten aus, um Änderungen und Korrekturen in Genaktivitäten zu korrigieren. In seiner Arbeit führt Khuda-Bukhsh nachfolgend Experimente an, die zu diesem  Thema durchgeführt wurden: Zum einen konnten durch Röntgenstrahlung verursachte Defekte bei Mäusen (z.B. Chromosomenanomalien) durch die Gabe von Hochpotenzen moduliert werden. Zudem wurde die Wirksamkeit homöopathischer Potenzen auf Zellschädigungen durch Toxine mit isopathischen Mitteln getestet: Im Detail beschreibt der Autor Arsenvergiftungen bei Mäusen und Menschen, die mit Erfolg durch das homöopathische Arsen behandelt wurden. Weiter führt er aus, wie mit homöopathischen Mitteln Thalassämie erfolgreich behandelt wurde. Besonders interessant sind die Ausführungen zu antikanzerogenen Effekten durch homöopathische Mittel. Das ganze Krebsgeschehen ist durch eine grosse Anzahl metabolischen Veränderungen charakterisiert. Dieses Krebsgeschehen wird von bestimmten Genen gesteuert, deren Regulation nicht mehr richtig funktioniert und zu unkontrollierten Zellteilungen führt. Die meisten Krebszellen gehorchen der Apoptose (einer programmierten Form des Zelltodes) nicht mehr. Diese Tatsache führt zur Erkenntnis, dass ein „Anti-Krebsmittel“ darauf abzielen muss, die Krebszellen zu eliminieren, entweder durch Apoptose oder Nekrose. Die Apoptose der Zellen beruht auf dem Gleichgewicht von pro- und anti-apoptosischen Signalproteinen. Homöopathische Mittel haben die Möglichkeit, diese Signalproteine  zu beeinflussen, d.h. sie können bei Krebszellen eine Apoptose einleiten.

Epigenetische Modifikation

Der Autor bezieht sich hier auf die Studie von Saha et al. 7 . Diese Studie hat aufgezeigt, dass homöopathische Mittel auf die Genexpression d wirken. In der Studie wurden homöopathische Hochpotenzen angewendet und es zeigte sich, dass auch winzigste Mengen ausreichen, um eine Erregungsantwort der Gene auszulösen. Epigenetische Veränderungen stehen im Zentrum bei einer Krebserkrankung. Experimentelle Studien untersuchten, ob bestimmte Homöopathika die Eigenschaft besitzen, epigenetische Veränderungen in Zellen rückgängig zu machen. Die Experimente wurden in Vivo und in Vitro durchgeführt. Die Daten sind vielversprechend. Man darf auf die Veröffentlichung dieser Studie gespannt sein.

Der Autor sieht sich durch diese Studien in seiner gen-regulativen Hypothese bestärkt. Offenbar haben homöopathische Mittel das Potential, regulativ auf Gene einzuwirken, besonders auch auf epigenetischer Ebene.

In seinen abschliessenden Bemerkungen geht Khuda-Bukhsh nochmals auf die Punkte ein, die seine Hypothese der genregulierenden Wirkung von Homöopathie untermauern. Zum einen erwähnt er die patho-physiologischen Biomarker, die man bei einer „Heilung“ beobachten kann. Im Gegensatz zu Placebo hätte hier die Behandlung von Krebs mit homöopathischen Mitteln klar ein positives Ergebnis gezeigt. Wie genau das homöopathische Mittel in komplexe Organismen eingreift, sei aber noch immer ein Rätsel.

Khuda-Bukhsh wünscht sich allerdings weitere wissenschaftliche Experimente und Arbeiten in Bezug auf die Frage, wie die Rezeptoren der Zellen die „Signale“ oder den „molekularen Abdruck“ eines homöopathischen Mittels „lesen“ und verarbeiten können und dadurch falsche Genaktivitäten korrigiert werden können.

Auf der Grundlage aller heutigen Anhaltspunkte ist die Hypothese von Khuda-Bukhsh eine akzeptable und logische Erklärung für die Wirkungsweise von Homöopathie.

Wissenschaftsgruppe

 

Anmerkungen

a Isomerie ist das Auftreten von zwei oder mehreren chemischen Verbindungen mit gleicher Summenformel und Molekülmasse, die sich jedoch in der Verknüpfung oder der räumlichen Anordnung der Atome unterscheiden. Die entsprechenden Verbindungen werden Isomere genannt und lassen sich durch unterschiedliche Strukturformeln darstellen. Sie unterscheiden sich in ihren chemischen und/oder physikalischen und oft auch in ihren biochemischen Eigenschaften. Isomerie tritt vor allem bei organischen Verbindungen, aber auch bei (anorganischen) Koordinationsverbindungen auf.

b Thermodynamische Messung: dazu wird der Lösung Energie (Wärme) zugeführt, was dazu führt, dass sie Strahlung (Licht) abgibt, die gemessen wird. Spektroskopie: Spektroskopie (auch Spektrometrie) ist eine Gruppe von physikalischen Methoden, in denen eine Strahlung nach einer bestimmten Eigenschaft wie Energie, Wellenlänge, Masse etc. zerlegt wird, z.B. das Licht in die verschiedenen Farbspektren. Zur visuellen Betrachtung des Spektrums von sichtbarem Licht dienen Spektroskope.

c Hormesis ist die schon von Paracelsus formulierte Hypothese, dass geringe Dosen schädlicher oder giftiger Substanzen eine positive Wirkung auf den Organismus haben können. Bei medizinisch wirksamen Substanzen ist ein solcher dosisabhängiger Umkehreffekt gut nachweisbar (z. B. Digitalis, Colchicin oder Opium).

d Unter Genexpression wird die Biosynthese von Proteinen anhand der genetischen Information mitsamt allen dafür nötigen vorangehenden Prozessen verstanden, beginnend mit der Transkription als Synthese von RNA.

Literatur

1 Current trends in high dilution research with particular reference to gene regulatory hypothesis, Anisur Rahman Khuda-Bukhsh, Nucleus 2014; 57:3-17

2 Bellavite P, Marzotto M, Olioso D, Moratti E, Conforti A. High-dilution effects revisited. 1. Physicochemical aspects: review. Homeopathy. 2014;103:4–21.

Bellavite P, Marzotto M, Olioso D, Moratti E, Conforti A. High-dilution effects revisited. 2. Pharmacodynamic mechanisms: review. Homeopathy. 2014;103:22–43.

3 Andersson PU, Tomsic A, Andersson MB, Petterson JBC. Emission of small fragments during water cluster collisions with graphite surface. Chem Phys Lett. 1997;279:100–6

Markovic N, Andersson PU, Nagard MB, Pettersson JBC. Scattering of water from graphite: simulations and experiments. Chem Phys. 1999;247:413

4 Benveniste J, Guillonnet D. QED and digital biology. Riv Biol. 2004;97: 169–72

5 Khuda-Bukhsh AR. Alteration of X-ray effects by homeopathic drugs: a new approach in radio-protection. In: Manna GK, Roy SC, editors. Perspectives in cytology and genetics, vol. 8. Calcutta: All India Congress of Cytology and Genetics; 1995.p. 649–63.

Khuda-Bukhsh AR. Potentized homeopathic drugs act through regulation of gene expression: a hypothesis to explain their mechanism and pathways of action in vivo. Comp Ther Med. 1997;5:43–

Saha SK, Roy S, Khuda-Bukhsh AR. Evidence in support of gene regulatory hypothesis: gene expression profiling manifests homeopathy effect as more than
placebo. Int J High Dilution Res. 2013;12:162–7

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