Homöopathieforschung (Righetti)

Übersichtsarbeiten zur Forschung in der Homöopathie von Dr. med. Marco Righetti

I. 1988: Forschung in der Homöopathie: wissenschafltiche Grundlagen, Problematik und Ergebnisse. Göttingen: Burgdorf

Bereits 1988 hat Dr.med. Marco Righett ein Buch mit dem Titiel „Forschung in der Homöopathie. Grundlagen, Problematik und Ergebnisse” im Verlag Ulrich Burgdorf, Göttingen veröffentlich. Darin fasst der Autor die damals vorliegende Forschung über Wirkung und Wirksamkeit der Homöopathie zusammen und kommentiert deren Methodik und Ergebnisse. Zudem zeigt er über einen Vergleich der wissenschaftlichen Grundlagen von Homöopathie und Schulmedizin die Problematik der grundsätzlich unterschiedlichen Ansprüche an Forschung auf. Während in der Schulmedizin die Forschung mehr in eine quantifizierend-statistische Richtung gehe, müsse sich homöopathische Forschung mit qualitativen Fragen beschäftigen. Auf dieser Basis sei eine Integration von homöopathischen Forschungsergebnissen in das Denkgebäude der Schulmedizin jedoch schwierig. Der Autor zeigt auf, dass die Homöopathie dennoch angehalten sei, eine eigene Forschung aufzubauen, damit sie mit der Schulmedizin in einen Dialog treten kann. Zudem braucht sie eine eigene Forschung, um sich den gesetzgebenden Stellen als eine eigenständige Wissenschaft präsentieren zu können und so aus ihrer Aussenseiterposition herauszutreten. Das Buch ist heute leider vergriffen, kann aber beispielsweise in der Zentralbibliothek der Universität Zürich ausgeliehen werden.

II: 1999: Homöopathie: Grundlagen, Anwendungsgebiete und mögliche Ansätze zu Forschungsstudien

1999 hat Marco Righetti unter dem Titel „Homöopathie: Grundlagen, Anwendungsgebiete und mögliche Ansätze zu Forschungsstudien” als Beitrag des Schweizerischen Vereins homöopathischer Ärztinnen und Ärzte (SVHA) eine ausführliche Arbeit zur Homöopathieforschung verfasst und dem „Programm Evaluation Komplementärmedizin” (PEK) eingereicht. Eine gekürzte Version der Originalarbeit findet man auf der Website der Zürcher Ärztinnen und Ärzte für Klassische Homöopathie. Die Arbeit umfasst folgende Schritte, die nach Aussage des Autors für ein konstruktives Weiterkommen bei der Auseinandersetzung mit der Problematik und der Evaluation der Homöopathieforschung notwendig sind: Voraussetzung zur Evaluation eines Forschungsgegenstandes sind gemäss Autor gewisse Grundkenntnisse desselben. Aus diesen Grundlagen ergeben sich gewisse Forschungsprobleme. Der aktuelle Stand der Forschung in der Homöopathie sei ebenfalls notwendige Voraussetzung für die Diskussion und Formulierung zukünftiger Forschungsstrategien. Erst in Kenntnis dieser Schritte könne über zukünftige Forschung in der Homöopathie diskutiert werden.

Für die kurze Einführung in die Grundlagen und die Forschungsproblematik verweisen wir auf die Originalarbeit. In dieser Arbeit wird auch ein ausgezeichneter Überblick über wichtige Forschungsergebnisse zum Wirkungs- und Wirksamkeitsnachweis der Homöopathie gegeben.

Im Anschluss an diesen Überblick folgen Schlussfolgerungen sowie einige Überlegungen zur zukünftigen Forschung. Da uns beides sehr interessant und wichtig erscheint, geben wir diese Abschnitte im folgenden gekürzt wieder. Für den vollständigen Text verweisen wir auf die Originalarbeit.

Schlussfolgerungen

  • Die Wirksamkeit der Homöopathie hat sich durch 200-jährige weltweite Anwendungserfahrung erwiesen.
  • Die Wirksamkeit der Homöopathie ist durch unzählige geheilte klinische Fälle belegt.
  • Es gibt nur wenige klinische Studien, die die Homöopathie nach ihren eigenen Grundsätzen prüfen. Die grosse Mehrzahl der heute vorliegenden klinischen Studien zwängt die Homöopathie in ein ihr fremdes Forschungskorsett. Dennoch konnte in einer beachtlichen Zahl klinischer Studien die Wirksamkeit homöopathischer Therapie nachgewiesen werden.
  • Die klinische Wirksamkeit der Homöopathie wurde auch durch experimentelle Wirkungsnachweise bestätigt.
  • Die Wirkung und Wirksamkeit von Hochpotenzen jenseits der Avogadro’schen Zahl ist wissenschaftlich nachweisbar.
  • Aufgrund jüngster Erkenntnis in Physik und Chemie gibt es Ansätze zur Begründung einer Wirkung hochpotenzierter Arzneien.
  • Die vorliegenden Forschungsergebnisse erbringen einen exemplarischen Nachweis der Wirksamkeit des homöopathischen behandlungskonzepts und lassen die kostenintensive Durchführung weiterer Forschung dieser Art als fragwürdig erscheinen. Wirksamkeitsprüfungen in der Homöopathie haben stets nur einen exemplarischen Charakter. Forderungen nach Prüfung sämtlicher Arzneimittel bei allen Indikationen sind nicht sinnvoll.
  • Es gibt neuere Forschungsansätze, die eine deutlich bessere Adaequanz zu den Prinzipien der Homöopathie aufweisen als jene der konventionellen Methodik.
  • Nach dem heutigen Stand des Wissens besitzen homöopathische Arzneimittel eine unspezifisch-stimulierende Wirkung auf die Selbstheilung; bezogen auf den einzelnen Organismus ist die Wirksamkeit spezifisch.

Für zukünftige Forschungsprojekte sieht der Autor folgende Ansätze:

1. Aufarbeitung der bisherigen Forschung in der Homöopathie
Die homöopathischen Forschungsergebnisse wurden gemäss Aussage des Autors erst- und letztmals Ende der 80er Jahre einigermassen systematisch aufgearbeitet. Hunderte von Studien, v.a. neuere und solche aus dem experimentellen Bereich, wurden bisher nie zusammenfassend aufgearbeitet. Diese Aufarbeitung sollte gemäss Meinung des Autors unter gleichwertiger Anerkennung homöopathischer und schulmedizinischer Kriterien erfolgen.

2. Durchführung Epidemiologischer Feldstudien
Gut dokumentierte epidemiologische Feldstudien dienen einer verlässlichen Datenerhebung über Praxis, Wirkung („Outcome”) und Kosten homöopathischer Behandlung in ihrer natürlichen Umgebung, d.h. wenig beeinflusst durch methodenfremde Forschungskorsetts. Eine solche Datenerhebung müsste breit erfolgen und homöopathische Besonderheiten adäquat mitberücksichtigen. Aus der Sicht des Autors kann die Mehrheit der Krankheiten in einer Allgemeinpraxis mit ausschliesslicher oder vorwiegender homöopathischer Therapie unter grossen Einsparungen an schulmedizinischen Abklärungs- und Therapiekosten befriedigend behandelt werden. Es gibt aber im Bereich der Evaluation von Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit erst wenige Arbeiten, die die Erfahrung bestätigen, dass Homöopathie als Basistherapie in der Grundversorgung zweckmässig und sehr kostengünstig sei.

3. Durchführung klinischer Studien
Klinische Studien haben gemäss Aussage des Autors erst dritte Priorität. Die Auswahl und die Kriterien klinischer Forschungsprojekte sollte sich auch wieder nach den zu beantwortenden Fragen richten und wird je nachdem unterschiedlich ausfallen.

Die Forschungsmethodik müsste jedoch gemäss Meinung des Autors angepasst werden, da sich kontrollierte randomisierte Doppelblindstudien zur Erforschung komplexer psychosomatischer Phänomene, wie sie in einer homöopathischen Behandlung vorkommen, schlecht eignen. Auf der einen Seite steht der Standardansatz der Schulmedizin mit den kontrollierten randomisieren Doppelblindstudien, auf der anderen Seite der für die Homöpathie geeignetste aber wenig anerkannte Ansatz der Einzelfallstudie. Dazwischen gibt es leider kaum Methoden die sich für die Homöopathie eignen und von der Schulmedizin anerkannt sind. Gemäss Aussage des Autors stehen wir daher vor grossen Operationalisierungsproblemen wie Forschungsfragen in geeigneter Weise in wissenschaftlich anerkannte messbare Grössen transformiert werden können. Diese zeigen sich auch in der übrigen Komplementärmedizin, in der Psychosomatik und Psychotherapie, ja sogar in der Schulmedizin, wo – entgegen gängiger Auffassung – nur ein kleiner Teil der Therapien wissenschaftlich einwandfrei untersucht sei.

Anpassung des Forschungsdesigns

Als unvollständige und gemäss Aussage des Autors nicht immer konforme Ideen führt er folgende Möglichkeiten der Anpassung des Designs an den speziellen Forschungsgegenstand (Homöopathie, Komplementärmedizin) an. Zudem hält er fest, dass sich die Auswahl der Methode nach der Fragestellung (Ziel, Zweck) und dem Adressaten ausrichten müsse.

1. Retrospektive Verlaufsstudie (Fallpräsentation, Outcome-Studie)
Eine hinreichend grosse Zahl mittel- bis schwerer chronischer Krankheitsfälle, die zuvor nicht geheilt oder ungenügend behandelt geblieben sind, werden retrospektiv nach homöopathischer Behandlung untersucht. Die Darstellung könnte die Form einer retrospektiven Studie aber auch der Fall- oder Patientenpräsentation vor einem Gremium annehmen und eine breite Auswahl oder alle Diagnosen umfassen. Damit würde auf unkonventionelle Art die reale Praxisbewährung der Homöopathie (WZW-Nachweis – Nachweis der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit ) im Sinne von „soft facts” belegt. Einzig mit einer solchen Studie wären auch die Möglichkeiten der Homöopathie bei schwereren chronischen Krankheiten zu belegen. Bei andern Studiendesigns würden solche Fälle wohl weggelassen, weil die Heilungschancen (z.B. bei einer chronischen Psychose) im Durchschnitt geringer sind als bei oberflächlicheren Krankheiten.

2. Prospektive Einzelfallstudien (Outcome studies, Versorgungsstudien)
Breit angelegte prospektive Verlaufsstudien/-dokumentationen wurden gemäss Aussage des Autors in den letzten Jahren, v.a. in Deutschland, gleich mehrere durchgeführt. Die Übergänge zur epidemiologischen Feldstudie sind dabei fliessend und mehrere Studiendesigns sind – mit jeweiligen Vor- und Nachteilen – prinzipiell möglich. Ziel sei dabei in der Regel nicht so sehr ein strenger Wirksamkeitsnachweis bei einer bestimmten Krankheit, sondern eine breite Datenerhebung, Untersuchung und Evaluation des Gesamtsystems Homöopathie (oder einer anderen Methode) in natürlicher Umgebung in Bezug auf relevante Faktoren für die Gesundheit und Gesundheitspolitik: zum Beispiel Effekte, Nutzen für Haupt-/Nebenleiden und Gesamtgesundheit, Nebenwirkungen/Sicherheit, Patientenzufriedenheit, Lebensqualität, direkte und indirekte Kosten. Der Vorteil derartiger prospektiver Verlaufsstudien sei die praxisnahe Datengewinnung (hohe sog. externe Validität). Die Methode sollte als Ganzes im realen Praxiskontext ohne experimentelle Veränderung der Interventionen (homöopathische Behandlung) untersucht werden.

Bei chronischen Krankheiten fordert der Autor für solche prospektive Studien genügend grosse Patientenzahlen über genügend lange Zeit (z.B. 500 zuvor ungeheilte Fälle über 3 Jahre), entweder unter Zulassung aller Diagnosen oder unter Einschränkung auf einige breite Indikationsgebiete. Die Ein-, Ausschluss und Beurteilungskriterien (vgl. weiter unten) wären je nach Untersuchungsziel zu bestimmen, unter adäquater Berücksichtigung homöopathischer Gesichtspunkte.

3. Randomisierte kontrollierte Doppelblindstudien
Der Autor hält fest, dass Aufwand und Komplexität dieses Studiendesigns bei individueller homöopathischer Behandlung von chronischen Krankheiten bzw. Langzeitverläufen extrem gross seien. Auch die homöopathische Intervention werde dabei zwangsläufig verändert. Je nach Anwendungsgebiet und Fragestellung seien solche Ansätze allenfalls noch in beschränktem Umfang bei Akutkrankheiten und in artifiziellen Designs (z.B. standardisierte Therapie) denkbar.

Mögliche Kriterien für wissenschaftliche Studien

Weiter führt der Autor eine gemäss seiner Aussage noch unvollständige Liste möglicher Kriterien speziell für die Homöopathie an, die neben den üblichen Kriterien aus der klinischen Pharmakologie in abhängig vom gewählten Studienprojekt zu prüfen und allenfalls zu berücksichtigen seien:

Einschlusskriterien:

  • Homöopathische Vorabklärung vor Studienbeginn/Mittelgabe über die „Eignung” des Patienten (fehlende Ausschlusskriterien, intakte Regulationsfähigkeit, evtl. genügende Symptomenqualität), Prä-Selektion der homöopathischen Mittel.

Ausschlusskriterien:

  • Mögliche Störfaktoren und Antidote: starke oder viele Allopathika; andere invasive Begleittherapien; Anwendung starker ätherischer Öle; Konsum bzw. Missbrauch von Drogen, Kaffee, Alkohol; operative Eingriffe/Zahnarzt/Injektionen etc.; physikalische Einflüsse (Ultraschall, Elektrotherapie, Radiographie, Radiotherapie etc.)
  • Schwere kompromittierende Begleitkrankheiten (inkl. hierarchisch „höheren” Krankheiten gemäss Hering’scher Regel), potenzielle Regulationsblockaden (z.B. Zahnwurzelabszesse, nicht saniertes Gebiss, hohes Alter), starke psychosoziale Stressfaktoren
  • Mangelnde Kooperation und sprachliche Ausdrucksfähigkeit.

Beurteilungs- und Verlaufskriterien:

  • Bei „chronischen” Krankheiten: Beurteilung aller Haupt- und Nebendiagnosen inkl. Befindlichkeitsstörungen (Gesamtheit der Symptome unter
    Berücksichtigung der Hering’schen Regel), Nebenwirkungen, Auftreten und Verlauf interkurrenter Erkrankungen
  • Patientenbeurteilung: subjektives Befinden, Gesundheits- und Lebensqualität, Zufriedenheit
  • Arztbeurteilung: Gesamtbeurteilung inkl. homöopathischer Kriterien (evtl. 2 Aerzte), Mittelwahl korrekt?
  • Verbrauch von Allopathika, Berücksichtigung von Begleittherapien
  • Behandlungskosten (für Haupt- und Nebendiagnosen im Gesamtverlauf, Diagnostik und Laborkontrollen, Beizug von Spezialisten, Medikamente, Nebenwirkungen). Integrale Kosten-Nutzenanalyse: Einfluss auf soziale Kosten, Lebensprobleme, Ernährung (mittel- und langfristige Auswirkungen ganzheitlicher Therapie und Prophylaxe): Messmethodik?

Ressourcen:

  • Bei der Forschungsplanung sind die Rekrutierung von Finanzen, Patienten und qualifizierten Homöopathen sowie eine geeignete Forschungsinfrastruktur zu berücksichtigen.

III: 2007: Homöopathieforschung: Problematik und Ergebnisse zur Wirksamkeit – mit Resultaten aus dem Programm Evaluation Komplementärmedizin PEK

2007 erschien in der Schweizerischen Zeitschrift GanzheitsMedizin ein weiterer Artikel von M. Righetti mit dem Titel „Homöopathieforschung: Problematik und Ergebnisse zur Wirksamkeit – mit Resultaten aus dem Programm Evaluation Komplementärmedizin PEK”

Dieser kann hier heruntergeladen werden.

In diesem Artikel zeigt der Autor auf, dass das grösste Hindernis für die Akzeptanz der Homöopathie die Hochpotenzen jenseits der Molekulargrenze sowie die unbekannte Wirkungsweise von homöopathischen Arzneien seien. Vom Anfang an basiere die Homöopathie auf empirischer Forschung, doch für den Entscheid über ihre Wirkung fordere man heute konventionelle Forschung. Homöopathie sei eine individuelle Methode und könne nicht in standardisierte Forschungsmuster gepresst werden. Weiter führt der Autor aus, dass fast alle Homöopathiestudien diese Grundregeln missachten und sind deshalb weder für die Praxis relevant noch extern valide. In der Analyse kommt der Autor zum Schluss, dass unter den experimentellen Studien trotz dieser Probleme der Basophilendegranulationstest und Tierintoxikationsstudien die beste Evidenz aufweisen würden. Zudem würden verschiedene systematische Reviews positive Ergebnisse für die Homöopathie aufzeigen. In diesem Zusammenhang kritisiert der Autor vehement die Lancet-Studie, die im Rahmen des PEK-Programmes durchgeführt wurde.

Auch bei diesem Artikel erscheinen uns die Schlussfolgerungen sehr interessant, deshalb geben wir sie hier wörtlich wieder. Sie überschneiden sich teilweise mit den Schlussfolgerungen des Artikels von 1999, sind jedoch umfassender und detaillierter:

A. Ausgangslage und Adressat: Das historische Material mit raschen Erfolgen bei Epidemien und die praktische Bewährung über 200 Jahre ist nur beschränkt aufgearbeitet, aber die „weichen Fakten” sprechen für die Homöopathie. In der Praxis zeigt die Homöopathie, im Gegensatz zu Placeco, bei akuten bakteriellen Infekten sowie bei chronischen und rezidivierenden Krankheiten stabile (Langzeit-)Wirkung. Diese ist intraindividuell reproduzierbar bei richtiger, fehlt aber bei falscher Mittelwahl. Homöopathie ist nebenwirkungsarm und preiswert, zeigt in Outcomes-Studien und in der Mehrzahl experimenteller und klinischer Studien trotz geringer externer Validität positive Evidenz. Es stellt sich die Frage, was zum WZW-Nachweis (Nachweis der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit) überhaupt noch fehlt. Gesundheitsbehörden, Ökonomen, Patienten, Homöopathen, Hausärzte, klinische Pharmakologen oder medizinische Fakultäten würden diese Frage wohl unterschiedlich beantworten. Deshalb sieht auch das Forschungsdesign je nach Adressat, Zweck und Zielsetzung völlig verschieden aus. Auf alle Fälle ist es unerlässlich und von grösster Bedeutung, in jeder Studienveröffentlichung klar auf Problematik und Stellenwert der Forschungsmethodik und -ergebnisse hinzuweisen.

B. Geeignete stabile Forschungsinfrastrukturen an Universitäten oder qualifizierten Instituten und die aufwändige weltweite Sammlung und Aufarbeitung der bisherigen Forschungsergebnisse (auch aus der nicht indexierten Literatur) sind Grundvoraussetzungen für die zukünftige Forschung.

C. Zukünftige Forschung muss klar unterscheiden zwischen Forschung mit direktem Nutzen für den Fortschritt der Homöopathie und Forschung zum Zweck ihrer wissenschaftlichen und gesundheitspolitischen Anerkennung („Rechtfertigungsstudien”). Die Forschung muss dabei die Besonderheiten der Homöopathie und schulmedizinische Kriterien gleichermassen berücksichtigen.

D. Die Verbesserung der homöopathischen Behandlungsqualität beruht in erster Linie auf der systemimmanenten Forschung (Arzneimittelprüfungen, Symptomen- und Verlaufsbeobachtung, Erweiterung von klinischer Erfahrung und Knowhow usw.). Hierher gehört zudem die Erforschung der Wirkungsweise, der natur- und geisteswissenschaftlichen Grundlagen, der Arzneiherstellung und -qualität sowie einiger epidemiologischer Fragen (siehe G). Die grossen Fragen von Gesundheit und Krankheit und ihrer integrativen Behandlung betreffen beide, Homöopathie und Schulmedizin.

E. Für den klinischen Wirksamkeitsnachweis ist in der Homöopathie die Einzelfallstudie (intraindividueller Versuch) mit individueller Mittelwahl am angemessensten – an genügend Patienten und bei chronischen Krankheiten über genügend lange Zeit. Für Forschungszwecke sind hier in erster Linie breit angelegte Beobachtungsstudien (Outcome- Studien) sinnvoll für eine verlässliche Datenerhebung über Praxis, Wirkung, Zweckmässigkeit und Kosten homöopathischer Behandlung unter unverfälschten, realen Praxisbedingungen, d.h. wenig beeinflusst durch methodenfremde Forschungsdesigns. Sie sollten Validitätskriterien der EBM (Evidenz-basierten Medizin) wie der Homöopathie adäquat berücksichtigen und, falls möglich, auch Vergleiche mit Kontrollgruppen umfassen. Eine Variante wäre der Gesamtvergleich der Hausarztbehandlung eines homöopathischen mit einem schulmedizinischen Kollektiv über genügend lange Zeit, wie das von homöopathischer Seite im PEK vorgeschlagen wurde.

F. Randomisierte kontrollierte Studien (RCT) mit individueller Verordnung sollten nur nach genauer Studienplanung und Pilotphase durchgeführt werden, weil sie aus homöopathischer Sicht vor allem bei chronischen Krankheiten extrem aufwändig, schwierig und auch ethisch fragwürdig sind. Aus unserer Sicht macht es wenig Sinn, zu den wohl weit über 1000 experimentellen und klinischen Studien ohne klare Fragestellung willkürlich 2 bis 3 weitere Indikationsstudien hinzuzufügen. Ausnahmen erfordern in jedem Fall eine sorgfältige Studienplanung: Sie sind am ehesten denkbar bei akuten Krankheiten (Komplexität geringer) oder Sonderfällen (z.B. hyperaktive Kinder).

G. RCT-Studien ohne individuelle Mittelwahl widersprechen den Grundlagen der Homöopathie und haben meist geringe externe Validität. Sie machen nur Sinn, falls mit einem Versuchsmodell ein prinzipieller und exemplarischer Wirksamkeitsnachweis erbracht werden kann. Eine gute Planung ist auch hier zentral. Sinnvoll wäre besonders die Reproduktion erfolgversprechender Studien, was bei geeignetem Setting zum Beispiel in der Traumatologie und bei allergischen Krankheiten möglich scheint. Gemeinsamer Nenner solcher Studien sind eng umschriebene Situationen mit möglicher Einschränkung des Individualitätsprinzips (standardisierte Therapie deckt evtl. die Mehrzahl der Fälle ab). Ein paar Fragestellungen nach eingeschränkter Individualität könnten dabei auch von homöopathischem und epidemiologischen Interesse sein: zum Beispiel in der Traumatologie, bei Insektenstichen und Allergien, in der Immunologie (Nosoden), bei Vergiftungen (Tierin- toxikationsmodell), bei sogenannt einseitigen Krankheiten.

H. Bei den experimentellen Studien (In vitro-, Tier-, Pflanzenstudien) gilt zum Teil Ähnliches wie bei G. Im Vordergrund steht die Etablierung weniger stabiler und reproduzierbarer Testsysteme, die trotz geringer externer Validität einen prinzipiellen Wirkungsnachweis erbringen können.

I. Grundlagenforschung: Hier geht es um auch für die Homöopathie interessante, zum Teil schwierig erforschbare Fragen nach dem Wirkprinzip, den physikalisch-chemischen (und geisteswissenschaftlichen?) Grundlagen und den Arzneiproblemen.

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