Homöopathieforschung (Walach et al.)

Status in der Homöopathieforschung

Harald Walach, Wayne B. Jonas, John Ives, Roel van Wijk, Otto Weingärtner

Der 2005 in „Journal of Alternative and Complementary Medicine” publizierte Artikel gibt eine Übersicht über den aktuellen Stand der Homöopathieforschung. Obwohl schon einige Jahre her, ist der Artikel sehr lesenswert, da er einen Einblick in die verschiedenen Forschungszweige gibt, so zum Beispiel Laborstudien, Klinische Studien, Beobachtungsstudien und Theoretische Arbeiten. Zu erwähnen gilt, dass sich in wissenschaftlichen Kreisen seit Erscheinen des Artikels in den verschiedenen Forschungsrichtungen einiges bewegt hat.

In Laborstudien wurden immer wieder Effekte beschrieben aber leider ist es bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht gelungen, einzelne Modelle genügend replizierbar zu machen. Auch in der Grundlagenforschung fehlten zum damaligen Zeitpunkt unabhängige reproduzierte Arbeiten. Die Autoren sind der Auffassung, dass dies damit zu tun hat, dass der Homöopathie eine fehlende Theorie ihrer Funktions- und Wirkungsweise zu Grunde liegt. Nichtlokale Erklärungsmodelle (wie in der Quantenphysik) würden hingegen bedeuten, dass es unmöglich ist, die homöopathischen Effekte direkt mit klinischen Tests zu bestätigen bzw. zu beweisen. Dies bringt die Homöopathie in ein wissenschaftliches Dilemma.

In ihren Ausführungen beschränken sich die Autoren auf die Resultate, denen aussergewöhnliche Entdeckungen zu Grunde liegen oder die Gegenstand von Diskussionen sind.

Experimentelle Forschung

Bis zum damaligen Zeitpunkt wurden einige Forschungsarbeiten mit Pflanzen und Tieren durchgeführt. Leider war die Qualität der Studien oft unbefriedigend. Des Weiteren wurden nur wenige der Experimente wiederholt. Es wurden 105 sogenannte Detoxifikationen durchgeführt, d.h. in ein biologisches System (Pflanze oder Tier) wurde eine giftige Substanz zugeführt und dann wurde homöopathisch behandelt. Bei den qualitativ hochstehenden Studien wurden doppelt so oft positive Ergebnisse nach der homöopathischen Behandlung beschrieben wie negative. Eine detaillierte Übersicht wurde von Albrecht und van Wijk erstellt und kann nachgelesen werden bei www.carstens-stiftung.de. (Albrecht H. van Wijk R., Dittloff S. A new database on basic research in Homeopathy. Homeopathy 2002; 91: 162-165).

Homöopathieforschung

Eines der wohl bekanntesten Experimente ist das Modell der Thyroxinstimulation bei der Metamorphose in Kaulquappen. Dieses Experiment wurde auch erfolgreich reproduziert. In diesem Experiment wurde die Metamorphose der Kaulquappen beschleunigt, indem man Thyroxin in der C30 verabreichte, bzw. dem Wasser beimischte.

Ein weiteres bemerkenswertes Experiment wurde von van Wijk und seinen Kollegen durchgeführt. Zellkulturen wurden niedrige Dosen giftiger Substanzen beigefügt. Die Zellkulturen haben dann als Zeichen von Stress verschiedene Muster eines Hitzeschockes oder Stressproteine gezeigt (je nach dem, welche toxische Substanz zugeführt wurde). Diese Muster können als Mittelbild betrachtet werden und die chemischen Verbindungen zeigen die Ähnlichkeit dieser Muster. Die Frage stellt sich, zu welchem Grad die Stimulation der Lebenskraft von kranken Zellen eine Ähnlichkeit hat wie zwischen dem Symptomenmuster der erkrankten Zellen und dem Mittelbild (van Wijk R., Wiegant FAC. Cultured Mammalian Cells in Homoeopathy Research: The Similie Principle in Self-Recovery. Utrecht, Germany: Faculteit Biologie, Universiteit Utrrecht, 1994. Sowie van Wijk R., Wiegant FAC. He Similia Principle in Surviving Stress: Mammalian Cells in Homeopathy Research. Utrecht, Germany: Department of Molecular Cell Biology, Utrecht University, 1997).

Grundlagenforschung

Um die Wirkungsweise bzw. den Mechanismus zu verstehen, bräuchte es eine plausible Theorie und experimentelle Arbeit, um wirklich erklären zu können, wie hochpotenzierte Mittel ein biologisches System beeinflussen können.

Klinische Forschung

Pathogenetische Versuche: Es war ja Hahnemann’s Beobachtung, dass verdünnte Substanzen bei Gesunden Symptome hervorrufen. Eigentlich war dies die erste Blindstudie. Das Verabreichen von C-Potenzen an Gesunden und das anschliessende Beobachten, was für Symptome sich einstellen, bezeichnet man als pathogenetische Versuche. Diese Symptome sind mitunter auch massgebend für die Verschreibung des homöopathischen Mittels. Erst vor kurzem ist diese Methode von der Forschung kritisch untersucht worden. Nachprüfungen lassen vermuten, dass ein Grossteil dieser „pathogenetischen Versuche” vom methodischen Standpunkt her oft ungenügend sind. In placebokontrollierten Studien sei es oft schwierig, die Symptome eindeutig zuzuordnen, d.h. sind es Symptome des homöopathischen Mittels oder Symptome, die vom Placebo herrühren.

Therapeutische Forschung: Randomisierte klinische Versuche haben die grösste Aufmerksamkeit und sind mitunter auch die bekanntesten Versuche. Es gibt eine Übersicht über die durchgeführten Studien (die entsprechende Tabelle mit der Auflistung der Studien ist im Originaltext publiziert). Zusammenfassend kann man feststellen, dass Homöopathie sehr wohl einen klinischen Effekt hat. Zusätzlich wurden u.a. auch Metaanalysen durchgeführt. Die meisten dieser Metaanalysen kommen zum Schluss, dass sehr wohl ein Unterschied festgestellt werden kann zwischen einer Placebogabe und einer Verabreichung eines Homöopathika. Leider ist die Schlussfolgerung dieser Ergebnisse abhängig davon, ob man bereit ist, diese Datenlage als wissenschaftliche Information anzuerkennen oder nicht. In der wissenschaftlichen Welt der Homöopathiegegner ist es jeweils einfacher, lediglich diejenigen Studien zu veröffentlichen, die ein negatives Ergebnis zeigen (Beispiel dafür ist die Analyse von Shang: Shang A., Huwiler-Münteler K., Nartey L., et al. Are the clinical effects of homeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of omeopathy and allopathy. Lancet 2005; 36: 726-732).

Der Placeboeffekt in der konventionellen Schulmedizin wird hingegen meist ausser Acht gelassen. Auch die Metaanalysen in der Schulmedizin sind durchwegs positiv, man sollte aber deren Resultate mit Vorsicht geniessen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen: Klinische Forschung „Homöopathie/Placebo” unterscheidet sich nicht gross von der klinischen Forschung „Schulmedizin/Placebo”. Berücksichtigt man anzahlmässig gleich viele Studien, sind die positiven wie die negativen Ergebnisse bei beiden etwa gleich.

Mit Homöopathie haben wir eine Therapie, die sich in der Praxis bewährt, auch bei chronischen Beschwerden. Unterziehe man die Homöopathie allerdings kontrollierten Studien, sei es schwierig zu zeigen, dass sie sich von Placebo unterscheiden würden.

Theoretische Modelle

Hahnemann selber wollte nicht spekulieren – wir haben von ihm auch keine Erklärung oder Theorie, warum Homöopathie funktioniert. Er bezog sich jeweils auf den Begriff der „Lebenskraft”. Heute versucht man die Homöopathie und ihre Wirkungsweise zu erklären und man greift auf zwei Modelle zurück: das lokale und das nichtlokale Modell. Beim nichtlokalen Modell bezieht man sich auf die Beobachtung, dass in der Quantenmechanik sogenannte nicht-lokale Korrelationen in definierten Quantensystemen existieren. Leider sind bis heute konkrete Experimente für die Existenz dieser nichtlokalen Korrelation ausstehend.

Schlussfolgerungen

Klinische Studien sind weiterhin die aussagekräftigsten. Zu erwähnen sei aber, dass die Studien die Homöopathie am besten „in der Praxis” untersuchen sollte, so dass man relevante Daten von Patienten und deren Genesung erhält.

Ein weiterer Schritt wäre ein pragmatischer Vergleich zwischen einer homöopathischen und einer schulmedizinischen Behandlung.

Auch Laboruntersuchungen mit Pflanzen sind weiterhin sinnvoll. Placebokontrollierte Studien möchten eine Causa dafür haben, was wie wirkt. Genau dies wäre aber nicht möglich, sollte die Homöopathie auf dem nichtlokalen Modell beruhen.

Einer der Bereiche, dem bis anhin zu wenig Beachtung geschenkt wurde, ist die Interaktion zwischen dem Therapeuten und dem Patienten. Ein Teil des „Geheimnisses” bezüglich der homöopathischen Wirkungsweise scheint hier zu suchen zu sein.

Hahnemann hat viel mit denen gestritten, die seine Ansichten nicht teilten. Diese Auseinandersetzungen mit Andersdenkenden scheint an der Homöopathie haften geblieben zu sein. Homöopathen streiten noch immer – mit anderen Homöopathen, mit Therapeuten anderer Therapierichtungen, mit der Schulmedizin. Dies ist eine reine Verschwendung von Zeit und Energie und die Autoren sind der Auffassung, dass Homöopathie in all den vergangenen Jahren leichter zu integrieren gewesen wäre, hätte man diese Streitereien und Auseinandersetzungen aussen vor gelassen. Es ist Zeit, von dieser Haltung wegzukommen und sich eine reifere Haltung anzueignen. Eine Haltung mit dem Bewusstsein, welches die Stärken und Schwächen der Homöopathie sind, einen offenen Blick für beides zu haben und aus Erfahrungen lernen zu können. Dieser Haltung sollte sich auch die Wissenschaft anschliessen.

Literatur

„Research on Homeopathy: State of the Art”, Harald Walach, Ph.D., Wayne B. Jonas, M.D., Ph.D., John Ives, Ph.D., Roel van Wijk, Ph.D., and Otto Weingärtner, Dr.Phil.Nat.

„The Journal of Alternative and Complementary Medicine, Volume 11, Number 5, 2005, pp.813-829

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