HVS-News 2020/1 – SVHA Medientagung Homöopathie

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Aufgrund des Dauerbeschusses mit fragwürdigen Medienartikeln und Sendungen zur Homöopathie hatte der Schweizer Verein homöopathischer Ärztinnen und Ärzte SVHA zu einer Medientagung für interessierte Verbände und Organisationen eingeladen.

Aus den Inputs des Medienberaters habe ich Folgendes mitgenommen:

  • Der Normalfall wird in den Medien nicht erwähnt, und damit kommt auch niemand in ein Medium hinein. Es geht immer um die Ausnahmen, die Katastrophen oder die besonderen Glücksfälle.
  • Unter den einzelnen Medien herrscht Konkurrenzkampf, jede möchte die noch extremere Geschichte bringen können.
  • Medien leiden unter dem »Haifischproblem«, damit ist gemeint: Der Hai muss immer schwimmen und fressen. Übertragen auf die Medien: Die Tagesschau muss jeden Tag in der festgelegten Länge gesendet werden, die digitalen Medien müssen irgendetwas bringen, die Printmedien genauso, egal ob irgendwo auf der Welt etwas Interessantes passiert ist oder nicht.
  • Medien spiegeln nicht die Wirklichkeit, sondern immer ihre eigene Interpretation davon. Man bekommt deshalb in den Medien nie ein nacktes Faktum, sondern immer ein Narrativ davon.
  • Gegen ein unerwünschtes Narrativ helfen deshalb keine Fakten, sondern nur ein anderes Narrativ.
  • Hinter jeder Kritik und jeder These, gibt es ein Thema. Dieses Thema muss man erkennen, dann kann es »gekapert« werden.
  • In unserem Fall wird den Medien von einer kleinen Gruppe von Homöopathiegegnerinnen/Skeptikerinnen das Narrativ unterbreitet, dass wir eine riesige Geldmenge mit wirkungslosen Präparaten und Behandlungen, vorbei an einer strengen Gesetzgebung (Arzneimittelvorschriften) scheffeln würden. Die Medien greifen es auf, weil es genügend »Katastrophenpotential« hat und weil es nach »ein Mächtiger treibt ein böses Spiel« klingt. Es liegt an uns, das Thema zu kapern und ein anderes Narrativ zu erzählen.
    Ein Beispiel für ein solches Narrativ: Von den Skeptikerinnen wird Beweisbarkeit mit Wirksamkeit gleichgesetzt. Sie argumentieren: Wenn wir den Wirkmechanismus nicht erklären könnten, dann wären unsere Arzneimittel automatisch unwirksam.
    Das ist eine manipulative und falsche Vermischung von zwei unterschiedlichen Dingen. Wir können den Wirkmechanismus nicht erklären und nicht nachweisen, aber für die Wirksamkeit haben wir genügend Belege.

Wir könnten also das Narrativ «nur wenn der Wirkmechanismus bewiesen werden kann, ist Homöopathie wirksam» umdrehen in «dass die Homöopathie wirksam ist, sieht man an ihrem Erfolg, damit ist ihre Wirksamkeit bewiesen».

Ein anderes Narrativ erzählen, wo immer wir Gelegenheit haben, das ist also unsere Aufgabe. Dazu haben wir erst einmal eine Gruppe gebildet, wo wir via Smartphone rasch austauschen können, wenn irgendwo in den Medien reagiert werden sollte, und das funktioniert auch tipptopp. Ein nächster Schritt wird sein, eine professionelle Medienstelle für Homöopathie einzurichten.

Beatrice Soldat

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