HVS-News 2020/2 – Editorial

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Dieses winzige Ding, das noch nicht mal einen eigenen Stoffwechsel hat, schafft es, dass Flugzeuge wegparkiert werden, die Strassen in New York sich leeren und in Paris Radwege in der Innenstadt geschaffen werden, um den öffentlichen Verkehr zu entlasten. Wahlprogramme sämtlicher grüner Parteien hätten von sowas nur träumen können; jetzt ist es Realität. Ich bin immer wieder perplex.

Anfangs ist im HVS noch Hektik angesagt: Täglich neue Anordnungen und Entscheide sichten, Mitglieder informieren und viel Zeit verbringen mit Informationen über Symptome und mögliche homöopathische Behandlung, das ersetzt den Praxisalltag. Aber irgendwann ist alles gesagt und getan und der verordnete Stillstand kommt auch bei mir an.

Sämtliche Treffen, Feiern und Veranstaltungen sind abgesagt. Ich kann mit dem Rotstift quer über meinen Kalender fahren. Nichts bleibt. Die Tage werden zu Brei. Ist heute Dienstag oder Mittwoch? Egal. Die Leute im Supermarkt laufen jeden Tag gleich angespannt durch die Regale. Unterhaltungen mit zwei Meter Abstand lassen keinen persönlichen Austausch mehr zu.

Zeit für Spaziergänge und abschalten. Und ich stelle fest, die Sonne scheint und der Himmel strahlt frühlingshaft hellblau. Die Natur grünt und blüht völlig unbekümmert. Sie zelebriert den Frühling, Corona ist ihr egal. Für einmal unterdrücken nicht wir die Natur, sondern die Natur hat uns im Griff.

Man sieht wieder Delphine am Bosporus bei Istanbul und in der Lagune von Venedig, Walfische vor der Küste Kroatiens. Der Smog in asiatischen Grossstädten lichtet sich und die Erkenntnis, dass Globalisierung ihre Grenzen hat, wird salonfähig!

Ich grüble auf meinen Spaziergängen und sehe dabei die Blütenpracht, rieche den Duft des Frühlings und nehme die Stille wahr. Die Natur gibt mir ein gutes Beispiel. Sie hat ihren Raum zurückerobert bei der ersten Gelegenheit. Sie hält sich nicht mit negativen Gefühlen auf, sie gedeiht!

Beatrice Soldat

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