Konventionelle Medikamente (Teixeira)

Neue homöopathische Datenbank: Ein Projekt zur Anwendung von konventionellen Medikamenten gemäss homöopathischen Methoden

Dr. Marcus Zulian Teixeira, Hospital das Clinicas da Faculdade de Medicina da Universidade de Sao Paulo, Brazil

In Science Direct hat Teixeira einen interessanten Artikel veröffentlicht bezüglich Nutzung von konventionellen Medikamenten, die in homöopathisch potenzierter Form Patienten massgeblich unterstützen können. Der Autor führt dafür einige theoretische Grundlagen aus der Homöopathie und Pharmakologie ein, die nach unserer Meinung weder schlüssig sind noch sich beweisen lassen. Da die Datenbank selbst eine interessante Idee und wertvolle Arbeit ist, stellen wir im Folgenden den Artikel vor, unsere Anmerkungen und unseren Kommentar finden sich im Anschluss (1).

Zu Beginn des Artikels führt der Autor aus, dass der Effekt eines Medikamentes (primäre oder direkte Wirkung) gefolgt von einer gegenteiligen Reaktion des Organismus’ (= sekundäre oder indirekte Wirkung) sei. Hahnemann war gemäss Aussage des Autors der erste, der mit dieser indirekten Wirkung Krankheiten heilte. Mit den heutigen Begriffen würde man es so ausdrücken, dass diese indirekte Wirkung einer Reaktion der Homöostase hervorruft. Auch die Kontroverse um das therapeutische Similimum hat gemäss Aussage des Autors ein modernes pharmakologisches Äquivalent: der sogenannte Rebound Effekt eines Medikamentes.

Bei einer Arzneimittelprüfung homöopathischer Mittel werden alle Symptome aufgenommen, die sich während der Prüfungszeit einstellen. Krankheiten mit diesen Symptomen werden mit dem so geprüften Arzneimittel behandelt. Der Autor leitet darauf ab, dass jegliche schulmedizinischen Medikamente (natürliche wie auch synthetisch hergestellte) ebenfalls in homöopathischer Form geprüft und verabreicht werden können. Mit anderen Worten, schulmedizinische Medikamente können gemäss den homöopathischen Gesetzen ebenso zur Linderung bzw. Heilung einer Krankheit verabreicht werden.

Ziel der Publikation ist, die Datenbank „NHM” (New Homeopathic Medicines) bekannt zu machen, in der schuldmedizinische Medikamente in homöopathisch potenzierter Form aufgelistet sind.

Um eine homöopathische Materia Medica der Medikamente zu erstellen, nahm der Autor das USPDI (United States Pharmacopeia Dispensing Information) zu Hilfe. Auf dieser Grundlage wurde das „Homöopathische Repertorium der Medikamente” (HMMMD) erstellt. Zum einen dienten folgende Angaben:

  1. Der pharmakologische Name
  2. Der kommerzielle Name
  3. Medikamenten Klassifikation
  4. Indikationen in der konventionellen Medizin
  5. Nebenwirkungen

Zum anderen wurden die Daten der primären Auswirkungen jedes Medikamentes systematisch gemäss den Mustern in homöopathischen Materia Medicas zugeteilt (Gemüt, Schwindel, Kopf usw.). Ebenfalls wurde die Häufigkeit der Inzidenz der primären Effekte berücksichtigt.

Alle so gesammelten Daten über Syndrome und pathologische Symptome wurden in das „Homöopathische Repertorium moderner Arzneimittel” (HRMD) übertragen. So konnten alle traditionellen Kapitel in der homöopathischen Literatur (Gemüt, Kopf, Schwindel usw.) übernommen und die Medikamente den Rubriken zugeordnet werden.

Das NHM stellt wissenschaftliche Daten der Medikamente zur Verfügung, welche in ihrer potenzierten Form den homöopathischen Vorgaben hergestellt wurden. Die Datenbank ist in drei Abschnitte aufgeteilt:

a) Wissenschaftliche Grundlagen des Ähnlichkeitsgesetzes in der Pharmakologie
Dieses Kapitel führt den Leser in die Prinzipien der Ähnlichkeit ein mit dem Hintergrund der Pharmakologie. Die Durchsicht der Literatur der vergangenen 15 Jahre zeigt gemäss Aussage des Autors genügend Hinweise darauf, dass die Primäreffekte der homöopathischen Mittel mit den therapeutischen, den nachteiligen/negativen und den Nebenwirkungen der Medikamente entsprechen. Die Sekundärreaktion entspricht seiner Meinung nach dem Rebound-Effekt eines Medikamentes.

b) Homöopathische Materia Medica der schulmedizinischen Medikamente (Homeopathic Materia Medica of Modern Drugs, HMMMD)

c) Homöopathisches Repertorium der schulmedizinischen Medikamente (Homeopathic Repertory of Modern Drugs, HRMD)

Die NHM Datenbank versucht laufend, durch Einbezug des schulmedizinischen und pharmakologischen Wissens, die therapeutischen Ressourcen von Homöopathika zu erweitern. Der Autor betont, dass grundsätzlich jedes Medikament in seiner potenzierten Form ein wichtiges homöopathisches Mittel darstellt. Voraussetzung stellt für den Autor aber ganz klar die Tatsache dar, dass auch diese Mittel nur aufgrund eines Gesamtbildes des Patienten zum Einsatz kommen sollen. Denn nur durch eine individualisierte Verschreibung können diese helfen.

Die NHM Datenbank stellt eine zusätzliche Hilfe dar, wenn es darum geht, konventionelle schulmedizinische Medikamente in homöopathischer Form zu verabreichen. Es geht darum, den Rebound-Effekt der Medikamente in eine heilende Richtung zu lenken.

Die komplette Datenbank ist ohne Einschränkung verfügbar:

http://www.newhomeopathicmedicines.com

Literatur

„New Homeopathic Medicines” database: a projekt to employ conventional drugs according tot he homeopathic method of treatment.
Marcus Zulian Teixeira, Hospital das Clinicas da Faculdade de Medicina da Universidade de Sao Paulo, Servico de Clinica Medica Geral, Avenida Dr. Eneas de Carvalho, Sao Paulo/SP, Brazil, European Journal of Integrative Medicine 5 (2013) 270-278, SciVerse Science Direct

(1) Anmerkungen / Kommentare

Im publizierten Artikel braucht Teixeira die Ausdrücke „rebound effect” und „paradoxical reaction” synonym. Die Wissenschaftsgruppe ist der Ansicht, dass es sich hierbei aber und zwei verschiedene Dinge handelt.

Aus der Beschreibung von Erstreaktion und Zweitreaktion der Mittel scheint der Artikel von Teixeira nicht wirklich klar zu sein. Teixeira definiert die therapeutischen Nebeneffekte als Primärreaktion und die Reboundeffekte als Sekundärreaktion. Aus dem Artikel geht auch nicht klar hervor, wie Teixeira die Reboundeffekte definiert.

Die Symptome nimmt der Verfasser des Artikels aus pharmakologischen Studien. Dies lässt den Schluss zu, dass nicht an gesunden Personen getestet wurde, d.h. es fand keine Arzneimittelprüfung statt. Die Mittel wurden offenbar an kranken Personen getestet. Aus dem Artikel geht nicht hervor, welche Symptome aus Arzneimittelprüfungen stammen und somit ist nicht klar, ob das homöopathische Mittel die Symptomatik heilte.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass viele Fragen bleiben. Was wirklich wichtig wäre, ist eine Arzneimittelprüfung der potenzierten Medikamente. So hat man aussagekräftige Symptome und weiss auch einen Heilungsverlauf einzuschätzen. Trotz aller Fragezeichen, die der Artikel aufwirft, hat Teixeira mit der Idee, homöopathische Arzneimittel aus Medikamenten herzustellen, einen wichtigen und innovativen Schritt zur Erweiterung der Materia Medica getan.

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