Krebs (Rostock et al.)

Classical homeopathy in the treatment of cancer patients – a prospective observational study of two independent cohorts

Matthias Rostock (4,1*), Johannes Naumann (1,2), Corina Guethlin (2,5), Lars Guenther (2), Hans H Bartsch (1), Harald Walach (3)

Erschienen in: BMC Cancer 2011, 11:19 doi:10.1186/1471-2407-11-19

Der Artikel ist frei zugänglich unter http://www.biomedcentral.com/1471-2407/11/19

Hintergrund

Gemäss Aussage der Autoren wählen viele Krebspatienten ergänzend komplementär-medizinische Therapien. In 7 von 14 Europäischen Ländern sei Homöopathie eine der meistgewählten Therapieformen. Was bedeuten diese Aussagen genau? Die Antwort darauf können Sie hier nachlesen. Weiter führen die Autoren an, dass bisher kaum systematische Untersuchungen zum Nutzen der homöopathischen Behandlung bei Krebspatienten gemacht wurden.

Methoden

Die Autoren führten eine prospektive, vergleichende, nicht-randomisierte Kohortenstudie durch. In die homöopathische Behandlungsgruppe (HG) wurden 259 PatientInnen der Clinica Santa Croce (Orselina, Schweiz) und des Homöopathiezentrums Oberland-Klinik (Weilheim, Deutschland) eingeschlossen, in die konventionellen Behandlungsgruppe (KG) 380 PatientInnen der Klinik für Interdisziplinäre Onkologie und Hämatologie Freiburg und der Klinik für Onkologie und Hämatologie in Offenburg. Für einen direkten Vergleich wurden Patienten mit den gleichen Tumorenditäten gematcht. Das wichtigste Ziel war die Untersuchung der Lebensqualität. Diese wurde mit zwei unterschiedlichen Skalen erhoben: The Functional Assessment of Cancer Therapy scale (FACT-G) sowie the Functional Assessment of Chronic Illness Therapy – Spiritual Well-being Scale (FACIT-Sp). Sekundäre Parameter der Studie waren Veränderungen der Müdigkeit (gemessen mit dem “Multidimensional Fatigue Inventory (MFI)”), Veränderungen des psychischen Wohlbefindens (gemessen mit der “Hospital Anxiety and Depression Scale, HADS”) sowie die Zufriedenheit der Patienten gemessen durch drei einzelne Items.

Alle Parameter wurden zu Beginn der Untersuchung, nach 3 Monaten Behandlungsdauer sowie nach einem Jahr erhoben.

Ergebnisse

Die PatientInnen in der Homöopathiegruppe waren tendenziell jünger (54 HG vs. 60 Jahre KG), eher selbstständig tätig (Arbeiter, Angestellt 48% HG vs. 75% KG) und hatten eine bessere Bildung (weiterführende Ausbildungen nach der Mittelschule 54% HG vs. 25% KG). Rund ein Drittel der Patienten waren in beiden Gruppen Frauen mit Mamma-Karzinom (32% HG vs. 37% KG). Die Patienten in der Homöopathiegruppe waren in Bezug auf die Tumorstadien schwerer erkrankt und hatten deutlich häufiger bereits eine konventionelle Therapie erhalten bzw. abgeschlossen. Zudem wussten die Patienten der Homöopathiegruppe bereits länger von ihrer Diagnose (HG 10 Monate vs KG 3 Monate), und sie waren häufiger bereits vor Beginn der Studie schulmedizinisch behandelt worden (z.B. Chemotherapie KG 50% vs HG 33%).

Welche Unterschiede gab es während der Untersuchungsperiode in den beiden Gruppen bezüglich der gewählten Therapien?

Wie erwartet, erhielt ein größerer Anteil der Patienten aus der konventionellen Behandlungsgruppe Chemo- oder Strahlentherapie (Chemotherapie während der ersten 3 Monate KG: 244 (64.2%) vs HG 53 (20.5%), danach bis zum Studienende Chemotherapie 1. Zyklus KG: 199 (52,4%) vs HG 56 (21,7%), 2. Zyklus KG 64 (16,8%) vs. HG 20 (7,8%), 3. Zyklus KG 26 (6,8%) vs. HG 10 (3,9%), 4. Zyklus KG 3 (0,8%) vs. HG 5 (1,9%)).

Andere Behandlungen, wie zum Beispiel Immuntherapie oder Kinase-Inhibitoren, waren zwischen den Gruppen in etwa vergleichbar. Nur wenige Patienten in der konventionellen Gruppe (6,6 %) erhielten keine konventionelle Behandlung, während 25,6% in der Homöopathiegruppe keine solche Behandlung während der Studiendauer hatten. Die Patienten in beiden Kohorten verwendeten unterschiedliche alternative Therapien. Während in der konventionellen Gruppe vermehrt Vitamine und Mistel-Behandlungen eingesetzt wurden, blieben die Patienten aus der Homöopathiegruppe bei den ursprünglich gewählten alternativen Therapien oder reduzierten die Verwendung dieser oder anderer alternativer Behandlungen.

Während der ersten drei Monate kam es in der Homöopathiegruppe zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität, in der konventionell behandelten Gruppe blieb die Lebensqualität stabil. Nach einem Jahr nahm die Lebensqualität in der Homöopathiegruppe weiter zu, auch in der konventionellen Gruppe konnte eine leichte Verbesserung beobachtet werden.

Die Zahlen im Detail:
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FACT-G
zu Beginn
FACT-G
nach 3 Monaten
FACT-G
nach einem Jahr
FACIT-Sp
zu Beginn
FACIT-Sp
nach 3 Monaten
FACIT-Sp
nach einem Jahr
homöopathische Behandlungsgruppe 75.6 (SD 14.6) 81.1 (SD 16.9) 84,1 (SD 15.5) 32.1 (SD 8.2) 34.9 (SD 8.32) 35.2 (SD 8.6)
konventionelle Behandlungsgruppe 75.3 (SD 17.3) 76.6 (SD 16.6) 78.9 (SD 18.1) 31.0 – SD 8.9 32.1 – SD 8.9 31.6 – SD 9.4

Tab. 1 Ergebnisse der Auswertung des Hauptparameters Lebensqualität erhoben mit den beiden Skalen FACT-G und FACIT-Sp zu Beginn der Untersuchung, nach 3 Monaten sowie nach einem Jahr. SD: Standardabweichung.

In der Homöopathiegruppe wurde zudem eine Tendenz zu weniger Müdigkeit beobachtet, in der konventionellen Gruppe nicht. Bei den Parametern Furcht und Depression konnten weder in der Homöopathiegruppe noch in der Vergleichsgruppe Veränderungen festgestellt werden.

120 Patienten der homöopathischen und 206 Patienten der konventionellen Behandlungsgruppe erfüllten die Kriterien für die Matched-Pairs-Analyse. Aufgrund der grossen Unterschiede zwischen den beiden Gruppen konnten nur 11 Matched Pairs gebildet werden. Dies ist für eine vergleichende Studie ungenügend.

Diskussion

Eine mögliche Erklärung für die fehlende Verbesserung der Lebensqualität in der konventionellen Behandlungsgruppe ist, dass wesentlich mehr Patienten dieser Kohorte Chemo- oder Strahlentherapie erhielten mit möglicherweise akuten Nebenwirkungen. Dies würde die Unterschiede in den ersten drei Monaten erklären. Nach einem Zeitraum von zwölf Monaten sollten diese Unterschiede gemäss Aussage der Autoren jedoch keine Rolle mehr spielen u.a. auch deshalb, weil sich in der homöopathischen Behandlungsgruppe mehr Patienten in einer palliativen Behandlungssituation befanden.

Fazit

Die Autoren beobachteten in ihrer Studie eine Zunahme der Lebensqualität sowie eine Tendenz zum Rückgang der Müdigkeit bei Krebspatienten unter homöopathischer Behandlung. Für die Suche von geeigneten Matched Pairs seien wesentlich grössere Stichproben notwendig, um eine kausale Beziehung zwischen diesen Effekten und der homöopathischen Behandlung begründen zu können. Der Einfluss der Homöopathie auf das Tumorgewebe selbst wurde in der Studie nicht untersucht.

Referenzen

1 Tumour Biology Center at Albert Ludwig’s University Freiburg, Germany
2 Dept. of Evaluation Research in Complementary Medicine, University Hospital Freiburg, Germany
3 Institute for Transcultural Health Studies and Samueli Institute, European Office, Europa Universität Viadrina, Frankfurt (Oder), Germany
4 Institute of Complementary Medicine, University Hospital Zurich, Switzerland
5 Institute for General Practice, Johann Wolfgang Goethe University Frankfurt, Germany

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