Migräne (Witt et al.)

Homeopathic treatment of patients with migraine: a prospective observational study with a 2-year follow-up period

Authors: Claudia M. Witt, R. Ludtke, and S.N. Willich Institute for Social Medicine, Epidemiology and Health Economics, Charite University Medical Center, Berlin, Germany. claudia.witt@charite.de

Publication: Journal of Alternative and Complementary Medicine Apr 2010

Migräne ist mit einer Lebenszeitprävalenz von 14% weltweit (9% bei Männern, 20% bei Frauen) eine verbreitete und bekannte Krankheit. Die Karl und Veronica Carstens Stiftung zählt Migräne zusammen mit aktiver Psychose, Demenz und Tetraplegie zu den lähmendsten Krankheiten. In einer gross angelegten Studie evaluierten die Autoren den Nutzen und die Wirkung von homöopathischen Behandlungen in der Praxis.

Dazu begleiteten sie 3981 Patienten während 2 Jahren in einer prospektiven Beobachtungsstudie. Für diesen Artikel analysierten die Autoren eine Teilgruppe von 212 Erwachsenen (89.2% Frauen), die homöopathische Beratung wegen Migräne in Anspruch nahmen. Die Behandlung erfolgte ganzheitlich und individuell durch insgesamt 67 Homöopathen. Die meisten Patienten (90%) waren konventionell / medikamentös oder durch andere Methoden vorbehandelt. Sie hatten im Durchschnitt 15.2 (Mittelwert) ± 10.9 (Standardabweichung) Jahre Migräne.

Die homöopathische Behandlung wurde mittels standartisierter Fragebögen beurteilt. Die Befragung erfolgte vor der ersten Behandlung sowie nach 3, 12 und 24 Monaten. Die Daten beinhalten Informationen zur Diagnose, zu den gegenwärtigen Beschwerden, deren Schwere, Informationen zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität, der Krankengeschichte, den Konsultationen, zu homöopathischen und konventionellen Behandlungen sowie zu anderen Gesundheitsdiensten, die in Anspruch genommen wurden.

Am Ende der Studie hatten 33% der Patienten vor, die Behandlung fortzusetzen, 22.2 hatten die Behandlung vorübergehend unterbrochen, 0.5 % wollten den Homöopathen wechseln. Die übrigen 44.3 % beendeten die Behandlung aus folgenden Gründen: Heilung oder Besserung (4.2%), von dem Ergebnis unabhängigen Grund 5.7%, kein Effekt oder Verschlechterung 19.8%, ohne Angabe von Gründen 0.5%, keine Antwort zum Behandlungsstatus 14.2%. Während der Studiendauer erhielten die Patienten pro Patient 6.2 ± 4.6 homöopathische Verschreibungen. Gesamt wurden 138 verschiedene homöopathische Mittel verschrieben. Mehr als die Hälfte aller Verschreibungen wurden durch 10 Arzneimittel abgedeckt (in %: Nat-m 11.3, Sep 10.7, Calc 6.0, Sulf 5.2, Nux-v 4.4, Puls 4.4, Caust 4.1, Lyc 3.7, Sil 3.4, Carc 3.1). Bezüglich der Schwere der Erkrankung ergab die Auswertung der Fragebögen vor allen in den ersten 3 Monaten eine erhebliche Verbesserung der Beschwerden, obwohl die Krankheit schon lange bestand sowie chronisch und schulmedizinisch vorbehandelt war.

Auch die Begleitbeschwerden wie Schlafstörungen, Heuschnupfen und Hautausschlägen wurden weniger. Nach 24 Monaten sind die Beschwerden der Migräne sowie der anderen Erkrankungen beträchtlich zurück gegangen. Konkret sieht die Verteilung bezüglich der Migränebeschwerden folgendermassen aus: Heilung bei 19.8% der Patienten, Verbesserung von ≥ 50% bei 28.3%, Verbesserung von ≥ 10% bis < 50% bei 4.7%, Verschlechterung >10% bei 0.9%. Was mit den übrigen 46.3% ist, geht aus dem Artikel leider nicht hervor. Es wäre möglich, dass diese den letzten Fragebogen nach 24 Monaten nicht mehr ausfüllten.

Zusammenfassend halten die Autoren fest, dass in dieser Beobachtungsstudie Patienten mit Migräne markante und lang anhaltende Verbesserungen unter homöopathischer Behandlung zeigten. Die Studienresultate decken sich mit denen einer ähnlichen früheren Untersuchung von Muscari-Tomaioli et al. Im Artikel werden auch Migräne-Studien mit weniger positiven Ergebnissen für die Homöopathie diskutiert. Ob die beobachteten Effekte auf das Untersuchungsdesign und die Rahmenbedingen oder die homöopathischen Arzneimittel zurückzuführen ist, bleibt gemäss den Autoren ungewiss. Die Gründe für diese Feststellung führen die Autoren leider nicht weiter aus.

Literatur

Der Originalartikel kann unter http://www.liebertonline.com/doi/pdfplus/10.1089/acm.2009.0376 heruntergeladen werden

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