Mittelohrentzündung (Friese et al.)

Homöopathie bei Mittelohrentzündungen – eine gute Alternative zur konventionellen Behandlung

Friese K-H. (1), Kruse S. (2), Lüdtke R. (3), Moeller H. (4) (1997) The Homeopathic treatment of otitis media in children: comparisons with conventional therapy. International Journal of Clinical Pharmacology and Therapeutics. Vol. 35: 296-301.
Abstrakt unter http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9247843

Mit der folgenden Studie aus dem Jahre 1997 konnte nachgewiesen werden, dass die homöopathische Behandlung von akuten Mittelohrentzündungen teilweise bessere Ergebnisse lieferte als die konventionelle Behandlung. Da die Gruppengrössen aber unterschiedlich waren und sich auch in der Altersverteilung unterschieden, sind die Ergebnisse nicht direkt miteinander vergleichbar. Aus diesem Grund interpretierten die Autoren der Studie die Ergebnisse vorsichtig: Homöopathie kann eine gute Alternative zur konventionellen Behandlung von Otitis Media sein. Im Folgenden werden die Inhalte der Studie und die Ergebnisse im Detail beschrieben.

In einer prospektiven Beobachtungsstudie, die von einem homöopathischen und vier konventionellen Hals-Nasen-Ohren-Ärzten durchgeführt wurde, wurde die homöopathische Behandlung der akuten Otitis Media bei Kindern mit der konventionellen Behandlung verglichen. Die Patienten der Gruppe A wurden mit homöopathischen Einzelmitteln (Aconitum napellus, Apis mellifica , Belladonna, Capsicum , Chamomilla , Kalium bichromicum , Lachesis, Lycopodium, Mercurius solubilis, Okoubaka, Pulsatilla, Silicea) behandelt, die Patienten der Gruppe B erhielten Nasentropfen, Antibiotika, Sekretolytika und/oder Antipyretika . Die primären Parameter waren Schmerzdauer, Dauer des Fiebers, und die Zahl von Rückfällen nach einem Jahr, wobei  < 0,05 als Signifikanzniveau festgelegt wurde. Sekundäre Parameter waren die Verbesserung der Beschwerden nach drei Stunden, die Ergebnisse der Audiometrie- und Tympanometrie-Messung sowie die Notwendigkeit einer zusätzlichen Therapie. Alle Parameter wurden deskriptiv untersucht, d.h. sie wurden nicht statistisch ausgewertet. In der Studie wurden 103 Kinder in der Gruppe A und 28 Kinder in der Gruppe B berücksichtigt. Das Alter lag zwischen 6 Monaten und 11 Jahre in beiden Gruppen. Im Vorfeld der Behandlung hatten die Kinder im Mittel in beiden Gruppen gleich viele Mittelohrenzündungen. Der Mittelwert lag bei bisher zwei Mittelohrendzündungen, die 25%-Perzentile lag bei einer und die 75%-Perzentile bei sechs Mittelohrentzündungen. Chronische Beschwerden mit der Belüftung der Eustachischen Röhre hatten im Vorfeld der Behandlung in der Gruppe A 13.6% der Kinder, in der Gruppe B 7.1%. Die Rachemandeln waren in der Gruppe A bei 15.5% der Kinder operativ entfernt worden, in der Gruppe B bei 32.1%.

Zu Beginn der Behandlung waren in der Homöopathiegruppe bei 13.6% beide Seiten betroffen, bei 48.5% die linke Seite, bei 37.9% die rechte Seite. In der Gruppe mit der konventionellen Behandlung waren bei 28% beide Seiten betroffen, bei 36% die linke Seite, bei 36% die rechte Seite.

Ergebnisse

Die mittlere Dauer der starken Schmerzen betrug in der Homöopathie-Gruppe zwei Tage und in der Gruppe mit der konventionellen Behandlung drei Tage. Bei der Dauer der leichten Schmerzen gab es in beiden Gruppen keinen Unterschied. Die mittlere Dauer der Therapie betrug in der Gruppe A 4 Tage und in der Gruppe B 10 Tage aufgrund der Tatsache, dass Antibiotika in der Regel über einen Zeitraum von 8-10 Tagen gegeben werden. In der Gruppe A benötigten 5 der 103 Kinder Antibiotika. In der Gruppe A wechselte bei 11.7% der Kinder die Mittelohrentzündung die Seite, in der Gruppe B war dies bei niemandem der Fall.

Die Eltern wurden gebeten, den Rückgang der Schmerzen und des Fiebers drei Stunden nach Beginn der Therapie anzugeben. 30.2% der Eltern berichteten eine bemerkenswerte Besserung in der Gruppe A und 11.5% in der Gruppe B.

70,7% der Kinder, die homöopathisch behandelt wurden, hatten im darauffolgenden Jahr keinen Rückfall. Die übrigen 29,3% hatten maximal drei Mittelohrentzündungen innerhalb eines Jahres. 56,5% der Kinder, die konventionell behandelt wurden, hatten keine weitere Mittelohrentzündung im darauffolgenden Jahr. Die übrigen 43,5% hatten maximal sechs Mittelohrenzündungen im nächsten Jahr.

Zwei Wochen nach Beginn der Behandlung wurden in beiden Gruppen je bei rund 2/3 aller Kinder eine Tympanogramm- und ein Audiogramm-Messung durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen waren in der Homöopathiegruppe etwas besser als in der konventionellen Gruppe, aber es gab keine signifikanten Unterschiede.

Diskussion

Die Autoren führen an, dass eine Doppelblind-Studie sehr wünschenswert wäre, aus ethischen und auch technischen Gründen bei akuten Mittelohrentzündungen aber nicht realisierbar sei. Sie halten auch fest, dass diese Art der Studie methodologische Probleme aufwirft: Da die Auswahl der Patienten nicht randomisiert ist, sind Verzerrungen/ systematische Fehler möglich. Zudem sind die Messungen nicht standardisiert, da die Behandlung von verschiedenen Ärzten durchgeführt wurde.

Die unterschiedliche Anzahl von Patienten in beiden Gruppen ist gemäss Aussage der Autoren unvermeidlich. Eine grosse Anzahl von Kindern mit Otitis Media kommt zu einem homöopathisch arbeitenden Hals-Nasen-Ohren-Arzt in die Behandlung. Im Vergleich dazu kommen wenige zu einem konventionell arbeitenden Hals-Nasen-Ohren-Arzt, da Kinderärzte häufig Mittelohrentzündungen selbst behandeln. Der homöopathische Arzt wollte noch mit mehr Hals-Nasen-Ohren-Ärzten zusammenarbeiten. Er hatte 20 Ärzte angefragt, ob sie in dieser Studie mitmachen würden. Sechs sagten schlussendlich zu. Von diesen hatte einer im Untersuchungszeitraum kein einziges Kind mit Otitis Media. Weshalb nur die Ergebnisse von vier und nicht von 5 Ärzten einbezogen wurden, wird im Artikel nicht erwähnt.

Die beiden Gruppen sind nur teilweise vergleichbar. Einerseits wegen der unterschiedlichen Gruppengrössen andererseits waren die Kinder in der konventionellen Gruppe etwas älter. Das mittlere Alter lag in der Gruppe A bei 5 Jahren, in der Gruppe B bei 6 Jahren. Allerdings wurden weder in der Untersuchung noch in der Literatur grosse Unterschiede bei 4 jährigen Kindern mit Otitis Media gefunden im Vergleich zu 6 jährigen Kindern.

Die Autoren führen abschliessend an, dass es mit dieser Studie möglich war zu zeigen, dass Homöopathie eine gute Alternative zur konventionellen Behandlung von Otitis Media sein kann. Die Autoren führen aber auch an, dass dies nicht bedeutet, dass mit Homöopathie jede einzelne Mittelohrentzündung geheilt werden könne. Die Homöopathie kann aber in den meisten Fällen erfolgreich eingesetzt werden.

Referenzen

1 Otorhinolaryngologist, Weil der Stadt
2 Haunersches Kinderspital, München, Germany
3 Institut für Medizinische Informationsverarbeitung IMI
4 Universitäts-Kinderklinik, University of Tübingen, Germany

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