Replikation elementarer Forschungsmodelle von Hochpotenzen 1994 und 2015
Eine Aktualisierung bibliometrischer Studien

Prof. Dr. PC Endler (Interuniversitäres Kolleg Graz), Paolo Bellavite (Universität Verona), Leoni Bonamin (Universidade Paulista) und Tim Jäger (Universität Bern) haben im November 2015 einen interessanten Artikel über die Replikation von Forschungsmodellen veröffentlicht. 1

Gegenstand ihrer Untersuchungen war der Stand der Replikationen von Studien im Jahr 1994 und 2015. Sie fanden mehrere tausend Literaturnachweise bezüglich Grundlagenforschung im Bereich von Hochpotenzen. Gegenstand ihrer Untersuchungen waren allerdings nur experimentelle Modelle mit Hochpotenzen. 2 Physiochemische und klinische Studien wurden ausgeschlossen. Die Autoren gruppierten die Studien anhand der jeweils angewandten Methode.

Die Studien wurden in verschiedenen Quellen gesucht, d.h. Rezensionen, persönliche Kontakte innerhalb der Homöopathieforschung, Medline (PubMed) und Hombrex (Carstens Stiftung). Es wurde sowohl Literatur berücksichtigt, die publiziert wurde, als auch unveröffentlichte wissenschaftliche Arbeiten. Für die Jahre 2010 bis 2015 stützte man sich vor allem auf die in PubMed publizierten Artikel. Die Autoren halten allerdings fest, dass die berücksichtigten Arbeiten keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben.

Es wurden biochemische, immunologische, botanische, zellbiologische und zoologische Studien berücksichtigt, in welchen Hochpotenzen untersucht wurden. Die Experimente mussten reproduziert worden sein und  folgende Kriterien erfüllen:

  • Mindestens zwei Publikationen durch die gleiche anfängliche Arbeitsgruppe
  • Mindestens eine Publikation eines multizentrischen 3 Versuchs
  • Mindestens eine Publikation durch die nfängliche Arbeitsgruppe und eine Publikation einer externen Autorenschaft.

Als Replikation gilt, wenn eine Studie zu einem späteren Zeitpunkt mit dem gleichen biologischen System und den gleichen potenzierten Substanzen wiederholt wurde.

Resultat

Es wurden 126 Studien untersucht. Die Studien wurden in den Bereichen „Enzyme“, „Zellzüchtung“, „Pflanzen“, „Immunzellen“, „Organe“, „Amphibien/Fische“ und „Ratten/Mäuse“ durchgeführt. Die 126 Studien zeigten 28 verschiedene Untersuchungsmodelle. Von den 126 waren 28 Ausgangsstudien, 98 waren Replikationen. Von den Replikationen waren 41 laborinterne, 28 multizentrierte und 29 externe Replikationen.

Von den 98 Replikationen zeigten über 70 % eine ähnliches Resultat wie die Ausgangsstudien, 20.4 % zeigten keinen Effekt und 9.2 % zeigten ein gegenteiliges Resultat.

Diskussion

Es wurden zu Beginn zwei Arbeitshypothesen aufgestellt, die aber später wieder fallengelassen wurde, weil sie für die Beurteilung der aktuellen bibliometrischen Daten untauglich scheinen:

  • Studien, die der Homöopathie gegenüber positiv eingestellt sind, zeigen ein ähnliches oder gegenteiliges Resultat
  • Studien, die der Homöopathie gegenüber negativ eingestellt sind, zeigen kein oder ein gegenteiliges Resultat

Stattdessen wurde die „Null-Hypothese“ herangezogen, d.h. die Test- und die Kontrollgruppe sind nicht unterscheidbar.

Externe Replikationen zeigen bei 48,3 % einen vergleichbaren Effekt, bei 37,9 % keinen Effekt und bei 13,8 % gegenteilige Resultate.

Bewertung der experimentellen Modelle

Wenn Replikationen fortwährend keine Effekte zeigen, wird man in Betracht ziehen müssen, das gewählte Studienmodell aufzugeben. Wenn aber die Replikationen nur vereinzelt keine vergleichbaren Effekte zeigen, müsste man sich Gedanken darüber machen, das gewählte Modell nochmals zu überprüfen bevor man es ganz aufgibt.

1994 und 2015

Die Situation von Replikationen 1994 wurde mit derjenigen 2015 verglichen. Von den bis 2015 rund 28 angewandten Untersuchungsmodellen, wo Parallelversuche stattfanden, waren 15 bereits 1994 oder davor publiziert worden.

Schlussfolgerung

Die Autoren haben 28 experimentelle Modelle mit Hochpotenzen in der Grundlagenforschung untersucht, welche reproduziert wurden. Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass die Mehrzahl der reproduzierten Modelle insgesamt vergleichbare, positive Resultate zeigen.

Die Autoren regen an, weitere Modelle zu reproduzieren. Nur so könne wirklich Wissen über die verschiedenen Modelle in Erfahrung gebracht werden und entscheidende Parameter bestimmt werden, die ein Ergebnis beeinflussen.

 

Flavia Leimbacher
Wissenschaftsgruppe

 

Literatur

1 Replication of fundamental research models in ultra high dilutions 1994 and 2015 – update on a blbliometric study, Research Gate, DOI 10.1016/j.omp.2015.10.003

2 hier sind in der Originalarbeit über 100 Literaturnachweise angegeben. Es würde den Rahmen sprengen, diese hier alle aufzuführen. Sie sind im Originalartikel nachzulesen.

3 Multrizentrisch heisst hier, eine klinische Studie, die national oder international in einer Vielzahl von Institutionen durchgeführt wurde.

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